Wegegabelung in San Luis

 

Die linke Straße führt in das Dorf San Luis, in der Gemeinde Malitbog, tief in den Bergen von Bukidnon. Die Straße führt dann weiter über viele kleine Höfe und Weiler bis nach Claveria, zurück in die Provinz Misamis Oriental.

Wir folgten dem rechten Weg, der uns laut den Frauen am Wartehäuschen, zu einem See führen sollte und dann irgendwo am Fuße des Gebirgszuges, der Agusan del Sur von Bukidnon trennt, enden sollte.

Allerdings soll eines Tages eine Straßenverbindung zwischen diesen beiden Provinzen durch die Berge fertiggestellt sein.

 

Als ich damals nach Mindanao kam, Anfang der 1980er Jahre, war das hier Urwald mit riesigen Bäumen. Nach San Luis fuhren nur Holzlaster, welche die Baumstämme aus dem Dschungel holten.

Mein Freund Albert hatte einen Auftrag für so etwas mit seinem kleineren, selbstgebauten Laster erhalten und meinte er wäre in zwei Tagen wieder zurück. Das war er aber nicht. Mit seinem tieferliegenden kleinen Laster hatte er sich auf dem schlechten Weg von einem tiefen Schlagloch zum anderen an einem der hervorstehenden Steine die Gelenkwelle abgerissen.

Nun blockiert Albert mit seinem kleinen Laster die gesamte Straße in beide Richtungen. Es musste erst ein Ersatzteil aus der Stadt Cagayan geholt werden. Da war schon der erste Tag weg. Philippinsche Trucker kamen hinzu und halfen mit. Im Tropenregen saßen sie unter dem Laster vom Albert und haben gemeinsam die Gelenkwelle wieder angebracht. Nach getaner Arbeit hockten sie weiter unter den Lkws im Dunkeln und haben Reis gekocht und warteten auf den Morgen bei einer Zigarette oder schliefen in Hängematten.

Ein weiteres Abenteuer mit Albert und seinem kleinen Laster war, als wir 5.000 Kokosnüsse gekauft hatten und damit in die abgelgene Bergdörfer von Bukidnon fuhren, um diese dort an kleine Sari-Sari Läden zu verkaufen. Im Gegenzug kauften wir die leeren Flaschen der Marke „Fighter“ auf oder auch mal ein paar Säcke Kartoffeln oder weiße Bohnen.

Zu dieser Zeit gab es keine Handys, man war auf sich gestellt. Ein Kommunikationsmittel waren die Mittelwellen-Rundfunkstationen der Stadt. Diese wurden auch mit Batterieradios in den abgelegensten Regionen der Provinz gehört. Aus solch einem Dorf hatte man jemanden losgeschickt in die Stadt, der an der Rundfunkstation Bescheid sagen sollte, eine Durchsage zu machen, dass aus dem Dorf Feuerholz abgeholt werden könne.

Schwiegermutter hörte den Ruf, sie hatte damals in der Marktgegend auf der Straße einen Platz, wo sie Feuerholz verkaufte. Wir heuerten Albert an und fuhren los, auf schlechten Wegen und mehrmals durch Flüsse, bis wir in dem Dorf ankamen. Ja, die staunten das dort zwei Weiße auftauchten. So etwas hatten die Meisten noch nicht persönlich zu Gesicht bekommen. Dann aber der Hammer, man hatte den Boten zu früh los geschickt. Das Feuerholz war noch nicht bereit zur Abholung. Großes Palawer mit einer verärgerten Schwiegermutter und meiner Frau.

Da sind so einige Erinnerungen, wenn ich heute noch durch solche Gegenden und über solche Straßen in Mindanao fahre.

 

Meine philippinische Lebensgeschichte von Anfang an in 1976 bis 2009 habe ich hier aufgeschrieben:

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009



 

 

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